Digitaler Durchbruch: Ärzte senden Rezepte für Pflegeheimbewohner direkt an Apotheken
Hiltraud HamannDigitaler Durchbruch: Ärzte senden Rezepte für Pflegeheimbewohner direkt an Apotheken
Neuer Gesetzentwurf in Deutschland: Ärzte dürfen Rezepte für Pflegeheimbewohner direkt an Apotheken übermitteln
Ein neuer Gesetzentwurf in Deutschland soll es Ärzten ermöglichen, Rezepte für Bewohner von Pflegeheimen direkt an Apotheken zu senden. Die Änderung zielt darauf ab, den bürokratischen Aufwand in Pflegeeinrichtungen zu verringern, indem das manuelle Weiterleiten von Rezepten entfällt. Allerdings bringt die Umstellung zusätzliche Kosten und Verwaltungsarbeit für Ärzte und das Gesundheitssystem mit sich.
Der Vorschlag ist Teil des Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetzes (ApoVWG) der Bundesregierung. Er sieht eine Übergangslösung vor, bis Pflegeheime bis zum 1. Januar 2029 in den speziellen E-Rezept-Service integriert werden. Aktuell werden 90 Prozent der rund 880.000 Pflegeheimbewohner in Deutschland über Versorgungsverträge mit Apotheken betreut.
Im neuen System werden Ärzte jedes Rezept elektronisch prüfen und übermitteln, was pro Fall etwa 30 Sekunden zusätzliche Arbeit bedeutet. Technische Sicherheitsvorkehrungen stellen sicher, dass Pflegeheime weiterhin Benachrichtigungen über die Rezepte erhalten – es sei denn, ein Bewohner widerspricht.
Durch den Wegfall der papierbasierten Rezeptsammlung und -zustellung sollen Pflegeheime jährlich rund 5 Millionen Euro sparen. Die finanziellen Auswirkungen sind jedoch gemischt: Das Ministerium rechnet mit zusätzlichen Personalkosten von 9,7 Millionen Euro in Arztpraxen aufgrund des höheren Arbeitsaufwands. Die Übermittlung der E-Rezepte verursacht zudem jährliche Kosten in Höhe von 8,834 Millionen Euro. Unter dem Strich ergibt sich eine zusätzliche Belastung von 4,7 Millionen Euro für das Gesundheitssystem.
Die Regelung wird die Rezeptabwicklung in Pflegeheimen vereinfachen, verlagert jedoch administrative Aufgaben auf die Ärzte. Sie bleibt bis 2029 in Kraft, wenn Pflegeheime vollständig in das E-Rezept-Netz eingebunden sind. Trotz der Einsparungen in den Pflegeeinrichtungen steigen die Gesamtkosten für das System um 4,7 Millionen Euro.






