Flaggenstreit 1926: Wie Hindenburgs Verordnung die Weimarer Republik spaltete
Hiltraud HamannFlaggenstreit 1926: Wie Hindenburgs Verordnung die Weimarer Republik spaltete
Deutschlands erbitterter Flaggenstreit erreichte im Mai 1926 einen Wendepunkt. Reichspräsident Paul von Hindenburg erließ eine neue Verordnung, um die Spannungen zwischen den verfeindeten politischen Lagern zu entschärfen. Der Schritt folgte auf Jahre voller Auseinandersetzungen um nationale Symbole, die das Land in zwei gegnerische Blöcke gespalten hatten.
Der Konflikt hatte sich verschärft, seit die Alliierten den Anschluss Österreichs verboten und damit die politischen Gräben vertieft hatten. Das rechtskonservative Lager stand geschlossen hinter den alten kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot. Gleichzeitig einigten sich die Weimarer Koalitionsparteien – zusammen mit den Kommunisten – auf Schwarz-Rot-Gold, eine Farbkombination, die mit der Revolution von 1918/19 verbunden war.
Bis zur Reichspräsidentenwahl 1925 hatte sich die Spaltung in zwei unversöhnliche Blöcke verfestigt: den „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“ und den „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“. Hindenburg versuchte, die Krise mit einem offenen Brief vom 9. Mai zu beruhigen, in dem er zu einem verfassungspolitischen Kompromiss aufrief. Doch seine Zweite Flaggenverordnung vom 5. Mai 1926 konnte keine der beiden Seiten zufriedenstellen.
Das Dekret erlaubte deutschen Vertretungen außerhalb Europas, sowohl die Nationalflagge (Schwarz-Rot-Gold) als auch die Handelsflagge (Schwarz-Weiß-Rot mit kaiserlichen Farben im Oberliek) zu hissen. Reichskanzler Hans Luther sah sich von allen Seiten Kritik ausgesetzt. Selbst Edwin Redslob, der als „Reichskunstwart“ mit der Gestaltung einer einheitlichen „Reichsflagge“ beauftragt war, scheiterte daran, die Gräben zu überbrücken.
Die Verordnung hinterließ beide Lager unzufrieden – trotz des Versuchs, Ausgleich zu schaffen. Das hybride Design der Handelsflagge konnte die Kluft zwischen Kaisertreuen und Republikanern nicht kitten. Der Streit um die nationalen Symbole blieb ungelöst und lastete als schwelender Konflikt auf der Weimarer Republik.






