Frauen dominieren Apotheken – doch Lohnungleichheit und prekäre Jobs bleiben
Sylke SchmiedtFrauen dominieren Apotheken – doch Lohnungleichheit und prekäre Jobs bleiben
Frauen prägen die deutsche Apothekenbranche – doch Lohnungleichheit und prekäre Arbeitsbedingungen bleiben
Frauen dominieren den Apothekensektor in Deutschland, sehen sich aber weiterhin mit hartnäckigen Problemen bei Bezahlung und Arbeitsbedingungen konfrontiert. Aktuelle Zahlen der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) zeigen, dass 89,2 Prozent der Apothekenbeschäftigten Frauen sind. Trotz ihrer zentralen Rolle kämpfen viele mit ungleichen Löhnen und mangelnder Flexibilität bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflegeverantwortung.
Die neuesten ABDA-Daten offenbaren eklatante geschlechtsspezifische Disparitäten in Apotheken: 74,1 Prozent der approbierten Apothekerinnen und Apotheker sind weiblich, bei Pharmazeutisch-technischen Assistentinnen (PTA) liegt der Anteil bei 96,6 Prozent und bei Pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten (PKA) sogar bei 97,5 Prozent. Die Adexa, die Berufsvertretung der Apothekenmitarbeiter, hat diese Zahlen vor dem Internationalen Frauentag hervorgehoben und Frauen als das „Rückgrat“ der öffentlichen Apotheken bezeichnet.
Doch die Branche spiegelt auch die größeren gesellschaftlichen Ungleichheiten wider: Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland beträgt rund 16 Prozent – im Schnitt verdienen Frauen 4,10 Euro weniger pro Stunde als Männer bei vergleichbarer Arbeit. Tanja Kratt, Bundesvorstandsmitglied der Adexa, führt diese Differenz auf unbezahlte Care-Arbeit zurück. Frauen übernehmen nach wie vor etwa zwei Drittel der Kinderbetreuung, den Großteil der Hausarbeit und den Löwenanteil der Pflege älterer Angehöriger – Faktoren, die Karrierechancen und Einkommen einschränken.
Die Adexa fordert nun konkrete Reformen: Dazu gehören flexiblere Arbeitszeitmodelle, um Beruf und Privatleben besser zu vereinbaren, sowie die Anerkennung von Care-Arbeit bei der Rentenberechnung. Kratt betonte, die Politik müsse das Recht auf Teilzeitarbeit stärken, ohne die Jobsecurity zu gefährden. Faire Bedingungen seien unverzichtbar, um die Stabilität der Gesundheitsversorgung zu gewährleisten.
Der Aufruf zu Veränderungen kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Frauen nahezu alle Positionen in Apotheken besetzen, gleichzeitig aber auf strukturelle Hürden stoßen. Die Adexa-Vorschläge zielen darauf ab, die Lohnungerechtigkeit zu bekämpfen und die Work-Life-Balance zu verbessern. Ohne Reformen droht der Sektor jedoch, qualifizierte Fachkräfte zu verlieren – gerade jetzt, wo eine zuverlässige Gesundheitsversorgung wichtiger ist denn je.






